Prosus ist Europas neuer High-Tech-Börsenstar. Obwohl gar nicht so viel Europa drin ist…

Der südafrikanische Medienkonzern Naspers (WKN: 906614 / ISIN: ZAE000015889) ist inzwischen weit mehr als das, er ist zu einem der weltweit führenden High-Tech-Beteiligungsunternehmen geworden. Das hat er vor allem, aber nicht nur, seiner wegweisenden Entscheidung zu verdanken, sich im Jahr 2001 mit knapp $33 Mio. an dem unbekannten aber aufstrebenden chinesischen Internetkonzern Tencent (WKN: A1138D / ISIN: KYG875721634) zu beteiligen. Bis Anfang letzter Woche hielt Naspers noch rund 31% an Tencent, die alleine €120 Mrd. ($132 Mrd.) wert waren, nachdem man im letzten Jahr 2% für knapp $10 Mrd. veräußert hatte.

Doch seit Jahren sieht sich Naspers starker Kritik ausgesetzt, weil sein Aktienkurs deutlich unterhalb des Wertes seiner vielen Beteiligungen liegt, teilweise bis zu 40%. Naspers CEO Bob van Dijk hatte daher einige Maßnahmen angekündigt, diese „versteckten“ Werte zu heben. Nach der Abspaltung des südafrikanischen Kabelnetzbetreibers Multichoice wurde nun der Großteil der internationalen Beteiligungen in einer eigenen Gesellschaft gebündelt und diese Prosus NV (WKN: A2PRDK / ISIN: NL0013654783) an der Amsterdamer Euronext an die Börse gebracht. Mit durchschlagendem Erfolg – und Konsequenzen…

Zunächst muss man wissen, dass Naspers nicht alle seine Aktivitäten in die Prosus NV ausgelagert hat und dass man langfristig an Prosus beteiligt bleiben möchte. Naspers wollte zwischen 17% und 27% von Prosus an die Börse bringen, hatte allerdings aufgrund steuerlicher Aspekte den Naspers-Aktionären ein Wahlrecht eingeräumt. Daher ist noch nicht klar, wie viele Prosus-Anteile nun wirklich den Besitzer gewechselt haben. Zumindest hat Naspers bereits mitgeteilt, dass der überwiegende teil der Naspers-Aktionäre sich für die Prosus-Aktien entschieden haben, so dass es wohl darauf hinaus laufen wird, dass Naspers noch zwischen 73% und 75% an Prosus hält.

Auf lange Sicht möchte Naspers mindestens 25% an Prosus behalten, so dass zwischen der aktuellen Beteiligungshöhe und dem Zielwert fast 50% liegen, so dass es in den nächsten Jahren zu weiteren Anteilsreduzierungen kommen wird, was immer mal wieder auf dem Kurs von Prosus lasten könnte. Sofern die Aktien über die Börse verkauft werden würden, was aber wohl ausgeschlossen sein dürfte. Vielmehr wird Naspers von Zeit zu Zeit Pakete bei institutionellen Anlegern platzieren, also Fonds, Versicherungen, Family Offices oder strategischen Investoren. Immerhin ist Prosus vom Start weg Europas zweitgrößtes Technologieunternehmen hinter SAP:

Prosus NV

Das Online-Anzeigengeschäft von Prosus ist das weltweit größte und die Gruppe setzt auf starkes Wachstum in den Bereichen Internetbezahlsysteme, Essenlieferungen und Onlinehandel. Dem entsprechend gehören zum Unternehmen Beteiligungen in den Bereichen Food Delivery, Social Media und Online Payment in Brasilien, China und Russland.

Im Bereich Lebensmittel-Lieferdienste hält Prosus Beteiligungen an Delivery Hero (23% Deutschland) und Takeaway.com (Großbritannien) sowie an iFood (Lateinamerika) und Swiggy (Indien). Hier ist gut vorstellbar, dass Prosus bei der Konsolidierung des Marktes eine aktive(re) Rolle spielen wird und sich z.B. in die Bemühungen von Justeat einmischen wird, die gerade versuchen Takeaway.com zu übernehmen. Geld genug hat Prosus dafür auf jeden Fall in der Kasse…

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Kissig Ein Beitrag von Michael C. Kissig

Er studierte nach Abschluss seiner Bankausbildung Volks- und Rechtswissenschaften und ist heute als Unternehmensberater und Investor tätig. Neben seinem Value-Investing-Blog „iNTELLiGENT iNVESTiEREN“ verfasst Michael C. Kissig regelmäßig eine Kolumne für das „Aktien Magazin“.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die CASMOS Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquellen: Michael C. Kissig / markteinblicke.de